Werther*
*ziemlich frei nach Goethe
"Die kunstvolle Synthese aus Originaltext und Gegenwartssprache siedelt die Geschichte der problematischen Dreiecksbeziehung zwischen Werther, Lotte und ihrem Freund Albert im Heute an. Wie sollen junge Menschen ihre Sehnsucht nach romantischen Gefühlen in einer sich zunehmend verhärtenden Gesellschaft ausleben, die ihnen vorwiegend Tugenden wie Durchsetzungsvermögen und Pragmatismus abverlangt? Dieser Frage geht Regisseur Christian Müller mit intensiven szenischen Bildern und behutsamen Humor nach."
Stuttgarter Nachrichten
Werther liebt Lotte, nein, er betet sie an. Auch Albert liebt Lotte und wird immer für sie da sein. Aber Lotte? Die scheint beide zu lieben - jeden auf seine Art. Und beide will sie nicht missen. Eine Zeitlang gelingt den dreien tatsächlich das vermeintlich Unmögliche: Sie leben eine Dreiecksbeziehung, rein platonisch natürlich.
Zugleich stehen die drei Figuren prototypisch für das Weltbild der Romantiker am Ende des 18. Jahrhunderts: In einer entzweiten Gesellschaft in der sich rationales Denken auf der einen Seite und die Welt der Gefühle auf der anderen Seite einander heftig bekämpfen. Das Experiment ist zum Scheitern verurteilt. Obwohl keine der Figuren wirklich Fehler macht, entgleitet ihnen das Spiel, verlieren sie die Übersicht, sind sie ihren eigenen Gefühlen irgendwann nicht mehr gewachsen. Die Männer mit ihren so unterschiedlichen Weltsichten grenzen sich immer eindeutiger vom anderen ab, die Ansichten und Ideale werden wechselseitig zunehmend unerträglich. Vor allem aber steigt die erotische Spannung zwischen Werther und Lotte, die sich nicht entladen darf, weil dann sofort alles vorbei wäre. - Oder Lotte sich gegen Albert, gegen seine Gelassenheit, seinen Erfolg und natürlich auch die materielle Sicherheit entscheiden müsste. So leidet Werther. An der Liebe. An Lotte. An den Umständen. An der Gesellschaft. An den Menschen. An sich selbst. Kurzum am Leben.
Goethes vielfach autobiographisch eingefärbter Roman »Die Leiden des jungen Werthers«, in der ersten Fassung von 1774 ganz dem Sturm und Drang verwachsen, in der überarbeiteten Version von 1787 klassisch geglättet, gehört sicherlich zu den meist gelesenen und interpretierten Werken der deutschen Literatur. In seiner Inszenierung am JES rückt Regisseur Christian Müller das komplizierte Beziehungsgeflecht zwischen Lotte und ihren beiden Männern in den Mittelpunkt und geht der Frage nach, wie es mit der Romantik bestellt ist in einer Zeit, in der sich Liebe rechnen muss. Stehen sich nicht auch heute Kalkül und Ratio einerseits und die Sehnsucht nach großen Gefühlen andererseits unversöhnlich einander gegenüber?
Christian Müller ist seit 2007 als Regieassistent und Spielleiter am JES, in der vergangenen Spielzeit hat er bereits erfolgreich den Kuijer-Roman »Das Glück kommt wie ein Donnerschlag« adaptiert.
Mit Sarah Kempin, Torsten Hermentin, Alexander Redwitz
Regie Christian Müller
Ausstattung Gitti Scherer
Dramatugie Christian Schönfelder
Für Zuschauer ab 14 Jahren
Empfohlen ab Klassenstufe 9
Theatersaal
Dauer der Aufführung: 90 Min. ohne Pause
Premiere am 9. Oktober 2010
"Torsten Hermentin spielt den bodenständigen Albert, diesen „Kerl, dem man gut sein muss“. Sarah Kempin ist Lotte, die eigentlich ein ganz normales Mädchen ist, die Werthers Verrücktheiten aufregend findet, aber auch gern mit ihrem Albert auf dem Sofa sitzt. Alexander Redwitz ist die ideale Besetzung für den neurotischen Werther, der von der „entsetzlichen Not des Herzens“ gebeutelt wird – und sich schließlich erschießt."
Stuttgarter Zeitung
"Christian Müller zeigt mit seiner einfühlsamen und zeitgemäßen Inszenierung in Gitti Scherers Ausstattung eine Generation, die Liebe eher zweckmäßig versteht und oft nicht fähig ist, ihre Gefühle auszudrücken. Von Werthers Selbstmord erfährt Lotte in einem sachlichen Bericht Alberts, der den Vorgang detailgenau samt juristischen Kommentaren schildert. Schließlich fragt er Lotte plump: „Wie fühlst du dich jetzt eigentlich?“ Entlarvt wird in der JES-Fassung eine Gesellschaft, der der Begriff „Liebe“ inmitten von ökonomischem Pragmatismus allzu oft abhanden gekommen scheint. Das ist heute genau so aktuell wie 1772 und kommt an bei den jugendlichen Zuschauern, die genau wissen, wovon die Rede ist."
Eßlinger Zeitung
Kommende Vorstellungen
Es stehen noch keine Termine/Veranstaltungen fest.








