Der Turmbau zu Babel (Arbeitstitel)
Stückentwicklung
Uraufführung: 8. Juni 2012
Als Ausgangspunkt für seine nächste Stückentwicklung gemeinsam mit dem JES-Ensemble und mit Musiker Frank Kuruc hat sich der Stuttgarter Regisseur Klaus Hemmerle den Turmbau zu Babel gewählt. In biblischer Zeit ließ hybrider Zukunftsglaube Gebäude in die Höhe schnellen. Dafür wurden die Menschen mit Sprachverwirrung bestraft, die seit Jahrtausenden die Kommunikation erschwert. Heute lässt der Zukunftsglaube ganze Gebäude unter der Erde verschwinden. Aber taugt die biblische Parabel dazu, über unsere Gesellschaft, unser großstädtisches Lebensgefühl und unseren Wachstumswahn nachzudenken?
Von Babel ist es nur ein kurzer Weg zur Rastafari-Bewegung, die unter den Nachfahren schwarzer Sklaven in Jamaika entstanden ist. Für die Rastafaris ist Babylon-System ein Ausdruck für das herrschende „westliche“ Gesellschaftssystem, das als korrupt und unterdrückend wahrgenommen wird. Die Rastafari erkannten in der biblischen Geschichte vom babylonischen Exil der Israeliten Parallelen zur Verschleppung ihrer eigenen afrikanischen Vorfahren nach Amerika. International bekannt wurden die Rastafaris wiederum ab den 1970er Jahren hauptsächlich durch die Reggae-Musik, zum Beispiel von Bob Marley, Peter Tosh und Jimmy Cliff. Dementsprechend soll die Reggae-Musik auch eine wichtige Rolle bei dieser Stückentwicklung spielen.
Darüber hinaus wird das Ensemble der Frage nachgehen, wo heute Konfliktlinien verlaufen zwischen Jugendlichen und der Gesellschaft. Spielt das mit der Reggae-Musik verbundene Lebensgefühl noch eine Rolle angesichts des Leistungsdrucks, der von allen Seiten aufgebaut wird? Was denken Jugendliche heute über fundamentale Systemkritiker, die Kapitalismus und Globalisierung anzweifeln? Und was ist aus dem Vorrecht der Jugend geworden, dagegen zu sein, wenn bei den Demos die Wutbürger zwischen 40 und 60 die Mehrheit stellen?
Klaus Hemmerle inszeniert bereits zum fünften Mal am JES: nach „Die Kuh Rosmarie“, „Bonnie und Clyde“, „Die Brüder Löwenherz“ und „Nach Schwaben, Kinder!“.
Mit Elisabeth Jakob, Sabine Zeininger, Alexander Redwitz, Peter Rinderknecht, Gerd Ritter
Regie Klaus Hemmerle
Ausstattung Tilo Steffens
Musik Frank Kuruc
Dramaturgie Christian Schönfelder
