Expedition Peter Pan
Stückentwicklung nach Motiven von James Matthew Barrie
von Inèz Derksen und dem JES-Ensemble
Uraufführung: 6. Januar 2012 am JES
Peter Pan beflügelt die Phantasie. Schon immer. Und bis heute ist er für viele Kinder ein Held, weil er so ziemlich alle gültigen Regeln außer Kraft setzt. Frei von Selbstzweifeln und Verantwortung, ausgestattet mit einem frechen Mundwerk, anscheinend unverletzlich, besteht er wüste Abenteuer, kämpft gegen Piraten, verbündet sich mit Indianern, flirtet mit Elfen und befehligt eine Bande von verlorenen Jungs. Mit seinem Grundsatz So-tun-als-ob kann er die Welt verändern. Was für ein Kinder-Paradies!
Vor allem aber eines kann Peter Pan: Fliegen. Das können andere Kinder nur (noch), wenn sie das Glück haben, Peter Pan zu treffen und von ihm mit Elfen-Staub bedeckt zu werden. So wie das Mädchen Wendy in Barries’ sicher tausendfach inszeniertem Stück. Sie fliegt mit ihren beiden Brüdern nach Nimmerland, lehrt Peter Pan das Küssen und übernimmt die Verantwortung für den Haushalt von ihm und seinen Freunden. Doch die Sehnsucht ist am Ende größer, und so kehrt sie zurück ins Haus der besorgten Eltern, zurück in unsere Welt – aber ohne Peter Pan und die Kraft der Phantasie zu vergessen.
Das ist nur von vielen Versionen der Peter-Pan-Geschichte. Das erste Mal tauchte der Junge in Barries’ Roman „Little White Bird“ auf. Hier ist die phantastische Welt uns noch sehr viel näher: Kensington Gardens verwandelt sich jeden Abend nach Schließung der Tore in eine flirrende Elfen-Welt. Peter Pans Schicksal der Trennung von der Mutter, die lange auf die Heimkehr des verlorenen Sohnes gewartet, irgendwann dann aber doch das Fenster für immer verschlossen hat, steht mehr im Mittelpunkt.
In den letzten Jahren haben zwei bemerkenswerte Filme den Mythos Peter Pan weiter ausgeleuchtet: „Wenn Träume fliegen lernen“ („Finding Neverland“) über die Entstehungsgeschichte des Theaterstückes und „Hook“. Darin ist Peter Pan doch erwachsen geworden, mehr noch, er hat seine Kindheit vergessen und damit auch den Zugang zu seinem größten Schatz: seiner Phantasie.
Diese Filme waren für die niederländische Regisseurin Inèz Derksen der erste Anstoß, sich mit Peter Pan auseinander zu setzen und auf die Suche zu gehen nach diesem Jungen, der nie erwachsen werden will, nach den verlorenen Jungs und der verlorenen Kindheit. Gefunden hat sie eine Abenteuer-Geschichte über das Erwachsenwerden: Dass Verantwortung etwas Schönes sein kann, wenn man gelernt hat, kreativ damit umzugehen. Dass die Phantasiewelt der Kindertage ein Schatz ist, der im Alltag beflügeln kann, den es zu bewahren gilt und den man sich sehr hart wieder erarbeiten muss, wenn man ihn einmal verloren hat. Und dass sich diese Mühe gerade für uns Erwachsene lohnt, um ebenbürtig mit unseren Kindern dieser komplexen Welt zu begegnen.
Mit Elisabeth Jakob, Prisca Maier, Alexander Redwitz, Gerd Ritter, Florian Stiehler
Regie Inèz Derksen
Bühne Bas Zuyderland
Kostüme Jorine van Beek
Mitarbeit Ausstattung Christine Bentele, Michaela Brosch
Dramaturgie Christian Schönfelder
In Kooperation mit Het Laagland, Sittard / Niederlande
Es geht darum, Verantwortung und Selbstverwirklichung unter einen Hut zu bekommen und ein kleines bisschen die Phantasie der Kindheit im anstrengenden Alltag zu bewahren. Mit dieser Botschaft ist „Expedition Peter Pan“ unbedingt sehenswert auch für Erwachsene, die sich glücklich schätzen können, wenn sie ihren Nachwuchs ins Theater begleiten dürfen. Unterhaltung ist garantiert.
Esslinger Zeitung



