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Fotos: Nina Urban

Fremdeln

Von Kristo Šagor

 

Regie Kristo Šagor

Ausstattung Saskia Vollmer

Musik Sebastian Katzer 

Dramaturgie Christian Schönfelder

Theaterpädagogik Tobias Metz

 

Mit Sarah Kempin, Sophie Wendt; Alexander Redwitz, Gerd Ritter

 

Premiere am 23. Januar 2010

Theatersaal

Für Zuschauer ab 15 Jahren

 

In dieser Familie fremdelt so ziemlich jeder mit jedem: die überspannte Mutter Doris versucht, ihren 14-jährigen Sohn Marek vor allem und jedem zu schützen. Er hat nach einem schweren Unfall alles neu erlernen müssen und zudem damals seinen Vater verloren. Jetzt erwehrt er sich der ungeschickten Kommunikationsversuche von Holger, dem neuen Freund seiner Mutter. Der ist mit seiner 13-jährigen Tochter Nele gerade erst eingezogen und noch sehr unsicher, was seine Rolle als Ersatzvater eines pubertierenden Jungen angeht. Nele wiederum motzt gegen Doris und Marek, der ihre Nähe sucht. Und auch Doris und Holger sind unsicher, wie sie in der Krise miteinander umgehen sollen.

 

 

Denn als wäre das alles nicht schon befremdlich genug, ist jetzt auch noch Mareks große Schwester Swantje direkt nach ihrem 18. Geburtstag von zu Hause abgehauen, ohne Vorwarnung und ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Dabei hatte sie sich doch immer besonders rührend um Marek gekümmert.

Jeder belauert jeden, jede verdächtigt jede, mehr zu wissen übers Swantjes Verschwinden. Hinter jedem Vorhang, unter jeder Teppichecke scheint ein Geheimnis zu lauern. Die Situation eskaliert, als Nele schließlich erzählt, dass Svantje seit längerem Anrufe von einem „älteren Mann“ bekommen habe und nun vermutlich mit ihm durchgebrannt sei. Das Lügengebäude, auf dem das Zusammenleben basierte, bricht in sich zusammen, das fragile Familienpatchwork wird wieder in seine Einzelteile zerlegt. Und vor allem Mutter und Sohn sehen sich konfrontiert mit ihrem eigenen Gewissen und mit Fragen nach Schuld und Verantwortung.

 

Kristo Šagor hat dieses Jugendstück 2001 gemeinsam mit dem Ensemble des Moks, des Kinder- und Jugendtheaters am Bremer Theater, entwickelt. Hintergründig und sensibel erzählt er von den Schwierigkeiten einer Familienzusammenführung, vom Erwachsen- und Verlassenwerden und von der manchmal unerträglichen Spannung zwischen Nähe und Distanz im menschlichen Zusammenleben.

Seit Jahren gehört Kristo Šagor als Autor und Regisseur zu den festen Größen sowohl im Jugend- als auch im so genannten Erwachsenentheater. Für seine Hamburger „Törleß“-Inszenierung erhielt er 2008 den FAUST-Theaterpreis in der Kategorie der besten Inszenierungen im Kinder- und Jugendtheater.

 

Pressestimmen:

„Fremdeln“ ist ein Beziehungsdrama, das keine Tonart, keine Gefühlslage auslässt: verspielt, liebevoll, mit Witz, Zorn und Trauer. Es gibt alles, nur keine fertige Lösung. SWR2

 

Bei der ausverkauften Premiere am Samstag erlebten die Zuschauer einen spannenden, als Bühnenkrimi angelegten theatralischen Laborversuch über Lügen und Schuldgefühle als Verursacher von Brüchen im System Familie. Stuttgarter Nachrichten

 

„Fremdeln“ erzählt von Abschied, Verlust und den Schwierigkeiten des Neubeginns. Stuttgarter Zeitung

 

Ein wichtiges Thema wurde hier mit großartiger schauspielerischer Leistung altersgerecht umgesetzt. ... Trotz der geballten Dramatik hält das sehenswerte Stück inmitten der teils bedrückenden Familienkonstellationen immer wieder auch heitere Momente bereit.

Esslinger Zeitung


   




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