Freispiel: BRO*CALL
  • Interview

    Interview mit Milan Gather und Anna-Lena Hitzfeld

     

    Anna-Lena Hitzfeld und Milan Gather wollen in ihrem FreiSpiel herausfinden: Was braucht es, damit wir unsere Persönlichkeit frei von Erwartungen, Vorgaben und Einschränkungen entfalten können? Und wie würde eine Welt aussehen, in der sich jede*r frei von Rollenbildern entfalten kann? Vor dem Probenstart sprach Dramaturgin Paulina Mandl mit Milan Gather und Anna-Lena Hitzfeld über ihren Antrieb.

     

    Liebe Anna-Lena, lieber Milan, was interessierteuch an dem Thema kritische Männlichkeit?

    Anna-Lena: Ich bin eine junge Frau und hinterfrageoft, welches Verhalten Mädchen anerzogen wird. Die gleichen Fragen stelle ich mir aber auch bei Jungs und Männern, mit denen ich Zeit verbringe: Warum fällt es vielen so schwer, über Gefühle zu sprechen oder mal "schwach" zu sein? Was ist eigentlich "Machogehabe"? Warum sollen Jungs nicht weinen? Ist das nicht anstrengend? Vor allen Dingen bin ich aber neugierig darauf, was sich verändern würde, wenn es anderswäre...

    Milan: Ich bin ein Mann - im Körper eines Jungen geboren und auch beim männlichen Geschlecht geblieben. Im Laufe meines 26-jährigen Lebens war ich den Erwartungen der Gesellschaft und meiner direkten Umgebung ausgesetzt. Ohne, dass jemand etwas Böses wollte, bin ich dadurch in Konflikte geraten. Konflikte zwischen dem gängigen Bild von Männlichkeit und meinen eigentlichen Bedürfnissen, die von diesem Bildmanchmal abweichen. Als Jugendlicher hätte ich mir z.B. gewünscht, dass es in Ordnung ist, vor meiner Klasse zu weinen oder so zu tanzen, wie es sich in dem Moment richtig anfühlt. Oder, dass es nicht entscheidend ist, wie muskulös oder sexuell aktiv ich bin. Ich frage mich, was wäre, wenn es all diese Erwartungen nicht gegeben hätte.

    Und was könnte das JES-Publikum an der kritischen Männlichkeit interessieren?

    Anna-Lena: Wir machen Theater für junge Menschen. Das FreiSpiel richtet sich einerseits an die Altersgruppe, die mitten in der Auseinandersetzung mit Erwartungen, Rollenbildern, Klischees und Erziehung steckt. Andererseits richtet sich der Abend an alle, die Lust haben, gängige Normen und Strukturen zu hinterfragen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam mit unserem Publikum neugierig werden und Momente ganz weit weg vom "Starke-Jungs-Klischee" finden. Ich will die Chance nutzen, andere Geschichten übers Mann-Sein zu erzählen mit Liebe und Spaß, und junge Menschen dazu einladen, Geschlechterrollen für sich neu zu definieren. Denn davon hätten wir alle was - Jungs und Mädchen, Junge und Alte, einfach alle Menschen - da bin ich mir sicher.

    Milan: Als Jugendlicher ist das Geschlecht ein großes Thema. In dieser Lebensphase ist der Druck, ein "richtiger Mann" zu sein, besonders zu spüren. Meistens ist diese Situation überfordernd. Manchmal, wenn es gelingt, das Bild zu erfüllen, kann es sich aber auch gut anfühlen. Ich glaube aber, dass es sich am besten anfühlt, wenn man seine Persönlichkeit frei entfalten kann. Das ist allerdings gar nicht so leicht, egal wie alt man ist. Deshalb möchten wir gemeinsam mit unserem Publikum über Männlichkeit, und damit automatisch auch über Weiblichkeit, nachdenken und das in allen Facetten.

     

Freispiel: BRO*CALL

Visit the theatre online via ZOOM!

From and with Milan Gather and Anna-Lena Hitzfeld

“Be a man!” all young men* get to hear those kind of statements. These sentences are based on certain ideas of masculinity: bravery, dominance, testosterone, being packed with muscles, being able to lift 100kg. Hidden beneath all those stereotypes are countless unshed tears.

The pressure on young boys* and men* to fulfil all those manly ideals is huge. And trying to meet everyone’s expectations can be very tiresome. Especially if one doesn’t really want to fit the normalised standards of masculinity.

How can we find out what we like and who we really are? How can we deal with social expectations? What would happen if there were no standardised ideals? What would you do? Who would you become? Would you talk about your feelings more openly? Would you change your behaviour towards other boys* and girls*? And would you maybe be treated differently by others?

The actors Anna-Lena Hitzfeld and Milan Gather focussed on those questions and attempt to give them the room they deserve. In preparation of this free format, they interviewed boys* and men* between the ages 10 and 67. Those interviews were integrated into their digital performance. With this production the cast wants to invite everyone to take a critical, positive, and open look on the different ideas of masculinity that exist in our society.

Because of Covid-19 the “Bro*Call” team decided to create this performance purely on a digital plane.

ONLINE-PREMIERE: April 16th, 2021 (via ZOOM)

Recommended for the age 14+

Language: German

 

The participation in this production is free of charge. Registration is necessary. To support the JES you can give a small contribution by sending it to this bank account:

Junges Ensemble Stuttgart
IBAN: DE52 6005 0101 0002 0300 09
BIC: SOLADEST600
Betreff: Spende BroCall


  • Interview

    Interview mit Milan Gather und Anna-Lena Hitzfeld

     

    Anna-Lena Hitzfeld und Milan Gather wollen in ihrem FreiSpiel herausfinden: Was braucht es, damit wir unsere Persönlichkeit frei von Erwartungen, Vorgaben und Einschränkungen entfalten können? Und wie würde eine Welt aussehen, in der sich jede*r frei von Rollenbildern entfalten kann? Vor dem Probenstart sprach Dramaturgin Paulina Mandl mit Milan Gather und Anna-Lena Hitzfeld über ihren Antrieb.

     

    Liebe Anna-Lena, lieber Milan, was interessierteuch an dem Thema kritische Männlichkeit?

    Anna-Lena: Ich bin eine junge Frau und hinterfrageoft, welches Verhalten Mädchen anerzogen wird. Die gleichen Fragen stelle ich mir aber auch bei Jungs und Männern, mit denen ich Zeit verbringe: Warum fällt es vielen so schwer, über Gefühle zu sprechen oder mal "schwach" zu sein? Was ist eigentlich "Machogehabe"? Warum sollen Jungs nicht weinen? Ist das nicht anstrengend? Vor allen Dingen bin ich aber neugierig darauf, was sich verändern würde, wenn es anderswäre...

    Milan: Ich bin ein Mann - im Körper eines Jungen geboren und auch beim männlichen Geschlecht geblieben. Im Laufe meines 26-jährigen Lebens war ich den Erwartungen der Gesellschaft und meiner direkten Umgebung ausgesetzt. Ohne, dass jemand etwas Böses wollte, bin ich dadurch in Konflikte geraten. Konflikte zwischen dem gängigen Bild von Männlichkeit und meinen eigentlichen Bedürfnissen, die von diesem Bildmanchmal abweichen. Als Jugendlicher hätte ich mir z.B. gewünscht, dass es in Ordnung ist, vor meiner Klasse zu weinen oder so zu tanzen, wie es sich in dem Moment richtig anfühlt. Oder, dass es nicht entscheidend ist, wie muskulös oder sexuell aktiv ich bin. Ich frage mich, was wäre, wenn es all diese Erwartungen nicht gegeben hätte.

    Und was könnte das JES-Publikum an der kritischen Männlichkeit interessieren?

    Anna-Lena: Wir machen Theater für junge Menschen. Das FreiSpiel richtet sich einerseits an die Altersgruppe, die mitten in der Auseinandersetzung mit Erwartungen, Rollenbildern, Klischees und Erziehung steckt. Andererseits richtet sich der Abend an alle, die Lust haben, gängige Normen und Strukturen zu hinterfragen. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam mit unserem Publikum neugierig werden und Momente ganz weit weg vom "Starke-Jungs-Klischee" finden. Ich will die Chance nutzen, andere Geschichten übers Mann-Sein zu erzählen mit Liebe und Spaß, und junge Menschen dazu einladen, Geschlechterrollen für sich neu zu definieren. Denn davon hätten wir alle was - Jungs und Mädchen, Junge und Alte, einfach alle Menschen - da bin ich mir sicher.

    Milan: Als Jugendlicher ist das Geschlecht ein großes Thema. In dieser Lebensphase ist der Druck, ein "richtiger Mann" zu sein, besonders zu spüren. Meistens ist diese Situation überfordernd. Manchmal, wenn es gelingt, das Bild zu erfüllen, kann es sich aber auch gut anfühlen. Ich glaube aber, dass es sich am besten anfühlt, wenn man seine Persönlichkeit frei entfalten kann. Das ist allerdings gar nicht so leicht, egal wie alt man ist. Deshalb möchten wir gemeinsam mit unserem Publikum über Männlichkeit, und damit automatisch auch über Weiblichkeit, nachdenken und das in allen Facetten.

     

Stückempfehlungen
Tigermilch

Nini und Jameelah wollen diesen Sommer die Welt erobern, das Leben auskosten, lachen, weinen, lieben. Sie sind unzertrennlich, doch plötzlich ist Jameelah von Abschiebung bedroht...

Alter: 15+

Der Steppenwolf

Harry Haller leidet. An der Gesellschaft, an sich und an seinem Wesen. An dem Widerspruch, dass er die Bürgerlichkeit verachtet, aber deren Ordnung als Halt braucht.

Alter: 15+

hotel europa

Dritter Versuch für das Projekt mit dem größten Cast in der bisherigen Geschichte des JES: Spieler*innen mit unterschiedlichen Nationalitäten in einer Kooperation mit dem internationalen NIE-Theatre, aufgeführt an einem besonderen Außenspielort. Die Fragen, was Europa eigentlich ist, welche Rolle welches Land spielt auf diesem Kontinent und was der Wert ist von offenen Grenzen, stellen sich drängender denn je.

Alter: 14+

Spielort

Online

Länge

1:20 Stunde(n)

Alter

14+

Preis

Erwachsene
0,00 €

Kinder/Jugendliche
0,00 €

Die Präsentation ist auf Spendenbasis.