Keine Party für den Tiger
  • Interview

     

    Martin Baltscheit ist Illustrator, Sprecher, Autor von Bilderbüchern, Prosa, Hörspielen und Theaterstücken. 2010 erhielt er den Deutschen Jugendtheaterpreis für sein Stück „Die besseren Wälder“, 2011 den
    Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Bilderbuch „Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor“. Als Auftragswerk für das JES hat er jetzt wieder eine Tierfabel geschrieben: „Keine Party für den Tiger“.


    Warum schreibst du so besonders gerne Fabeln?

    Es ist ein Spaß. Jeder Charakter bringt schon Eigenschaften mit.
    Der Transfer von Tier zu Menschen macht den Zuschauern Laune. Außerdem gelingen bessere Wahrheiten, deutlichere Metaphern und ich mag Tiere.

    Du bist unter anderem Illustrator und Autor. Befruchtet sich das gegenseitig beim Arbeiten? Hast du konkrete Bilder vor Augen, wenn du schreibst?

    Ich arbeite immer mit Bildern. Wortbildern. Bildbildern. Lautbildern. Wir sind sehende Lebewesen. Das Bild steht im Zentrum unserer Sinne. Auch ein blinder Mensch macht sich ein Bild. Wir bilden uns und wir glauben den Bildern.
    (Das kann auch ein Nachteil sein.) Bei der Arbeit ist es ein Vergnügen. Das richtige Bild finden. Das bekanntlich mehr sagt als 2 Millionen Worte. Wäre ich ein Fisch, würde ich in Farben denken.


    Wie leicht oder schwer ist es dir gefallen, den Stückauftrag zum Internet umzusetzen?

    Hmmm. Ich nutze das Internet ohne darüber nachzudenken, es ist ein geniales Werkzeug für einen Schriftsteller. Diese junge Erfindung hat große Bedeutung: Feuer, Rad, Buchdruck, Internet. So in der Reihenfolge. Zuerst
    dachte ich, für das Stück und das JES soll es etwas mit Menschen sein. Das JES macht ja meist realistisches Theater. Aber ich fürchte echte Menschenauf der Bühne. Sie sind so ... unecht. Es sind immer Schauspieler, die
    tun als wären sie jemand anderes. Ich habe geschrieben und mochte es nicht, war schon ein bisschen verzweifelt. Dann hat Frank Hörner gesagt: Martin, mach doch was mit Tieren. Da hatte ich dann gleich meinen ersten
    Satz: „Vor zwei Wochen war es endlich soweit. Die Tiere im Wald bekamen Internet.“ Der Rest war Recherche im Netz und sprechende Tiere im Stück.Danke Frank. Und JES.

     

  • Video

Keine Party für den Tiger

Eine Internet-Fabel von Martin Baltscheit

Eine Internet-Fabel von Martin Baltscheit
Auftragsarbeit des JES

Was Neues für Hinterwäldler: Der Tiger vereinsamt, weil niemand einen Freund möchte, der zur Begrüßung Kehlen durchbeißt; das Reh ist vor lauter Ängsten am Rande einer Psychose; der Maulwurf tappt maulend und blind durch eine Welt, in der die gefräßige Bärin vor lauter Appetit keine neuen Futterstellen mehr findet; und von der Motte weiß man nicht einmal, dass es sie gibt.

Doch dann kommt: das Internet. Nicht Mann, nicht Frau, aber sehr attraktiv. Und schlagartig geht den Waldbewohnern ein Licht auf. Das Leben ändert sich, wird schön und verheißungsvoll, voller Liebe, ewiger Futterquellen und Chancen, endlich Teil einer großen friedlichen Gemeinschaft zu werden. Jetzt muss die tierische Community nur noch mit den Schattenseiten der modernen Technik fertig werden. Das geht am Anfang ganz gut, bis es nach einem 1 A - Shitstorm ein erstes Opfer zu beklagen gibt.

Martin Baltscheit gehört zu den bekanntesten Autoren des Kinder- und Jugendtheaters. Im Auftrag des JES hat er jetzt eine Fabel geschrieben über das Internet und die Verheißungen des technischen Fortschritts. Regie führt Frank Hörner, der seit Jahren immer wieder am JES inszeniert ("Superhero" und "Fight!") und lange vor dem Internet mit Martin Baltscheit zusammen die analoge Schule besucht hat.

Premiere der Uraufführung am 10.10.2015


Besetzung

Aktuelle Spieltermine

26.04.2018

11:00 - 12:20

Ausverkauft

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Spielort

Theatersaal

Länge

1:20 Stunde(n)

Alter

11+

Preis

Erwachsene
12,00 €

Kinder/Jugendliche
7,00 €