Rose ist eine Rose ist eine Rose
  • Interview

    Interview mit Hannah Biedermann

     

    Vor der Premiere sprach Dramaturgin Lucia Kramer mit Regisseurin Hannah Biedermann über die Buchvorlage "Die Welt ist rund" und ihren Zugang dazu.

     

    Was reizt dich an einer Auseinandersetzung mit der Buchvorlage „Die Welt ist rund“?

    Für meine Theaterprojekte suche ich nach Texten, die dazu einladen, mit dem Textmaterial zu spielen. Ich mag Textflächen ohne festgelegte Dialoge und den klaren Verlauf einer Handlung. Für solche Texte muss man einen Umgang finden, das reizt mich sehr. „Die Welt ist rund“ hat mich angesprochen, weil ich beim Lesen der ersten Seite erst mal gar nichts verstanden habe. Das ist für mich eine gute Voraussetzung.

     

    Woran liegt das, dass man erst mal gar nichts versteht?

    In Gertrude Steins Texten gibt es viele Sprachspielereien. Der Text fließt ohne Punkt, Komma oder Fragezeichen dahin, sodass man beim Lesen eine andere Anstrengung braucht. Man muss überlegen, wo ein Satz zu Ende ist und ob es eine Frage oder eine Aussage ist. Wörter oder Sätze wiederholen sich ständig mit nur kleinen Veränderungen. Das hat eine fast meditative Wirkung und macht Lust, sich durch diese Sprache hindurchzubewegen. Und es befragt die Funktion von Sprache als Bedeutungsträger. Das finde ich ein spannendes Thema für Kinder, die ja dabei sind, die Sprache zu erlernen. Da gibt es richtig und falsch und je besser du die Sprache beherrschst, desto besser wirst du verstanden. Diesen Glauben an Sprache als reines Kommunikationsmittel kann man hinterfragen: Meinen wir mit einem Wort immer dasselbe? Gibt es überhaupt so etwas wie eine ganz eindeutige Bedeutung? Das sind philosophische Fragen an die Sprache, aber auch an die Welt und unsere Welterfahrung.

    Einer der ersten Sätze aus dem Buch lautet: „Rose war ihr Name und wäre sie Rose gewesen wenn ihr Name nicht Rose gewesen wäre.“ Das ist meiner Meinung nach eine ganz wesentliche Frage: Wie sehr formt die Benennung dessen, was wir erleben, unser Erlebnis? Wenn wir andere Worte hätten, würde dadurch auch unsere Wirklichkeit eine andere sein? Oder ist nur das wirklich, was wir zu benennen wissen?

     

    Du sagst, dein erster Zugriff auf den Text war das Gefühl, nicht zu verstehen. Was reizt dich daran, nicht zu verstehen?

    Ich finde gut, wenn Theater uns von dem Irrglauben entlasten kann, dass Welt überhaupt in Gänze verstehbar ist. Man kommt als Kind in eine Welt, die einem permanent das Gefühl gibt, dass man etwas noch nicht verstanden hat oder erst noch lernen muss. Dabei kann man jenseits des Verstehens viele gute Erfahrungen machen. Im Theater hat man die Chance, diese Erfahrungen zu zelebrieren: gemeinsam in der Zeit zu sein, etwas wirken zu lassen und mit sich passieren zu lassen, ohne dass man danach beschreiben kann, was es bedeutet hat. Ich suche nach Stoffen, die mich selbst überfordern, weil sie mich dann auf eine Ebene mit meinem Publikum bringen. Dann ist man nicht diejenige, die etwas verstanden hat, im Gegensatz zu denen, die erst noch verstehen müssen. Man kann gemeinsam durch diese Unsicherheit gehen.

     

    Welche Rolle wird Musik in deiner Inszenierung spielen?

    Musik wird eine große Rolle spielen, denn der Text ist durch seine Struktur schon sehr musikalisch und lädt dazu ein, seine Klanglichkeit zu unterstreichen. Das ist auch so eine Erfahrung, die man im Theater machen kann, die Klanglichkeit von Sprache, im Gegensatz zu ihrer Funktion als Träger von Bedeutung. Das hat natürlich viel damit zu tun, wie man den Text spricht.

    Als Bühnenmusikerin haben wir Marie-Christin Sommer dabei, die einen Klangraum schaffen wird, in den wir den Text hineinsetzen.

     

    Mir geht es so, dass ich mich beim Lesen schon darauf freue, diese Kunstsprache auf der Bühne gesprochen zu hören. Worin besteht für dich die Herausforderung, den Text auf der Bühne umzusetzen?

    Naja, durch das gesprochene Wort enträtselt sich natürlich auch Manches, weil man eine Möglichkeit des Lesens vorgibt. Aber ich glaube, manche Spielerei, oder dieses Repetitive – also es läuft und läuft und wiederholt sich und kreist, wie der Buchtitel schon sagt: „Die Welt ist rund“ – das ist im Hören nochmal ein ganz anderes Erlebnis. Und gleichzeitig muss man sich dabei auch fragen, wie einzelne Sätze und Gedanken nicht einfach so daher gesagt klingen, sondern ihre Größe entfalten. Das wird sicher die Herausforderung sein, dass man zu den Texten ein Bild, ein Gefühl und einen Raum findet.

     

  • Video

    Teaser

Rose ist eine Rose ist eine Rose

nach Gertrude Steins Roman „Die Welt ist rund“

in der Übersetzung von Michael Mundhenk

Rose ist ihr Name, doch wäre sie auch Rose, wenn ihr Name nicht Rose gewesen wäre? Solche und ähnliche Fragen stellt sich das nachdenkliche Mädchen Rose; Cousin Willie stellt sich diese Fragen nicht. Rose schultert einen blauen Stuhl, um einen grünen Berg zu besteigen. Auf dem langen Weg nach oben kommt ihr eine Erkenntnis. Obwohl ihre Lieblingsfarbe Blau ist, ritzt sie in die Rinde eines Baumes: Rose ist eine Rose... und weil der Baumstamm rund ist, wie die Welt, schreibt sie einfach weiter.

In ihrem 1939 erschienenen Kinderbuch „Die Welt ist rund“ beschreibt Gertrude Stein die Welterfahrung eines kleinen Mädchens auf der Suche nach sich selbst. Dabei fasziniert vor allem ihre eigenartige Sprache: Einer sprunghaften Logik folgend und mit vielen Reimen und Wortspielen kreist sie durch die kindlich-philosophische Gedankenwelt und ist dabei witzig und poetisch zugleich. Nach „entweder und“ zeigt Hannah Biedermann ihre zweite Regie-Arbeit am JES.

PREMIERE: 23. Februar 2019

Empfohlen für Kinder ab 6 / Klassen 1-4


Besetzung

Aktuelle Spieltermine

Stückempfehlungen
Ich will

Zwei Mädchen, ein Sofa, viele Steine und mindestens ein großes Geheimnis.

Alter: 4+

Ein Schaf fürs Leben

Missmutig und mordshungrig stapft der Wolf durch die kalte Winternacht - und findet in einem Stall ein argloses Schaf, das ihm hilfsbereit etwas von seinen Wintervorräten anbietet.

Alter: 5+

entweder und

Wild, laut sein, raufen versus lieb & hübsch sein, malen - unser Denken über den Menschen bestimmt das biologische Geschlecht. Hannah Biedermann hat dazu mit dem JES-Ensemble eine Collage entwickelt.

Alter: 5+

Johannes und Margarethe

Johannes und Margarethe öffnen die Türe zu ihrem Haus. Das tun sie nur einmal im Jahr. Immer dann, wenn sie was zu feiern haben.

Alter: 6+

Jazz für Kinder

Die Konzertreihe „Jazz für Kinder“ begeistert nicht nur die jüngeren Besucher*innen, sondern auch ihre erwachsenen Begleiter*innen.

Alter: 4+

Vesper

Ein Knurren. Ein Brummen. Pause. Ein Grummeln, eine eindeutige Beschwerde der Leere, oder war es doch etwas anderes? Hat dein Bauch so geknurrt?

Alter: 4+

Spielort

Theatersaal

Länge

1:00 Stunde(n)

Alter

6+

Preis

Erwachsene
8,00 €

Kinder/Jugendliche
5,50 €